Varroamilbe – Der natürliche Feind der Honigbiene

Varroamilbe – Der natürliche Feind der Honigbiene

Die Varroamilbe gilt als Parasit. Ein adultes Weibchen hat eine Breite von 1,6 Millimeter und weist eine Länge von 1 Millimeter auf. Diese Milbenart stammt ursprünglich aus Asien und wird unter dem lateinischen Namen Varroa destructor geführt. Das Problem ist, dass die achtbeinige Gefahr von den im Westen wohnenden Bienenvölkern nicht eigenständig bekämpft werden kann. Den asiatischen Bienen, der sogenannten Apis cerana, gelingt dies allerdings sehr gut. Eine Varroamilbe Bekämpfung durch den Menschen erweist sich als ein äußerst schwieriges Unterfangen.

Bienensterben: Das Gefährliche am Befall der Varroamilbe

Die westliche Honigbiene kam mit der Varroa destructor erst Ende des 19. Jahrhunderts in Kontakt. Durch eine menschliche Umsiedlungsaktion von Bienenvölkern aus dem Westen nach Asien kam es dazu, dass sich auf den Raubzügen der westlichen Bienen (Apis mellifera) die bereits geschwächten östlichen Verwandten ausgeraubt und geplündert wurden. Viele Milben der Familie Varroidae setzten sich dabei auf den Rücken der westlichen Bienen fest. Allmählich gelangten immer mehr Milben in noch unberührte Bienenstöcke. Heutzutage stellt diese Art von Parasit bei Bienenvölkern in weiten Teilen der Welt eine arge Bedrohung für das Überleben vieler Bienenvölker dar.

Die Varroamilbe Herkunft ist somit bekannt. Die schnelle Verbreitung in den letzten Jahrzehnten hängt auch damit zusammen, dass die Imker aufgrund der industrialisierten Ökonomie sowie der weitreichenden Monokulturen genötigt waren, mit ihren Bienenvölkern immer weiter zu ziehen. Auf diese Weise konnte sich die Varroa destructor weltweit verbreiten, nur die beiden Kontinente Antarktis und Australien blieben bislang vom Parasitenbefall verschont.

Die Tierseuche Varroose führt bei Bienenvölkern bei einem seuchenhaften Auftreten zu immens hohen Verlusten. Es handelt sich hierbei um eine ektoparasitäre Erkrankung der Imagines und Brut. Die Varroamilbe bekämpfen ist somit alles andere als unproblematisch. Das ganze Jahr über wütet die Seuche, doch besonders schlimm im Herbst und auch schon im Spätsommer. Die Symptome der Erkrankung zeigen sich in verdeckelten Brutzellen, im Gemüll sowie auf der Unterseite der Biene. Des Weiteren entstehen flügellose Arbeiterinnen und ein lückenhaftes Brutnest. Die Milbe sorgt für einen fauligen Geruch und für ein plötzliches Kahlfliegen. Arge Folgen der Varroose sind eine tote Brut sowie löchrige und eingefallene Zelldeckel. Auch Drohnen mit einem geschrumpften Hinterleib lassen sich auf die Seuche Varroose zurückführen.

Warum konnte sich die Milbe aus Asien in Europa ausbreiten?

Ausgehend von Asien fasste die Milbe, nach dem Wirtswechsel zu Beginn des 20. Jahrhunderts, erst in den 1970er Jahren in Europa Fuß. Die Varroamilbe Herkunft ermöglichte es dem Parasiten, die Schwachstellen der asiatischen Honigbienenvölker im Laufe von Jahrtausenden auszuloten.

Dieser Parasit hat in der Europäischen Honigbiene einen deutlich weniger resistenten Wirt entdeckt. Die Apis mellifera hat nie eine wahre Chance gehabt, gegen die Varroamilbe einen effizienten und spezifischen Abwehrmechanismus zu entwickeln, denn es fehlte einfach die dazu nötige Koevolution. Die Milbe ist da, weil sich die Asiatische und die Europäische Honigbiene in ihrer Kommunikation, Volksorganisatin und in ihrer Psychologie sehr ähnlich sind. Deshalb hat die Milbe auch auf der Europäischen Honigbiene die besten Überlebensmöglichkeiten.

Für eine ausgewogene Parasit-Beute-Beziehung braucht es biologische Zeitmaßstäbe, die sich über Jahrhunderte, wenn nicht über Jahrtausende entwickeln. Nur in solchen Zeiträumen kann eine Koevolution, also eine gemeinsame Entwicklung, stattfinden. Dieser Zustand hat meist zum Ergebnis, dass eine gewisse Ausgewogenheit herrscht, welche das Überleben beider Organismen (Wirt und Parasit) ermöglichen. Doch diese von der Natur mögliche Balance ist leider zwischen der Apis mellifera und Varroa destructor noch nicht erreicht worden. Somit besteht bis dato keine ausbilanzierte Parasit-Wirt-Beziehung. Das Krankheitsbild Varroose entsteht, wenn die Milben der Familie Varroidae außer Kontrolle geraten. Mittel gegen Varroamilbe sind zwar vorhanden, doch leider blieb bislang der Erfolg weitestgehend unter den Erwartungen.

Was macht die Varroamilbe eigentlich?

Die Gefährlichkeit des Parasits liegt in seiner Ernährung. Das sogenannte Blut der Bienen dient den Milben als vorzügliche Nahrung. Das Bienenblut ist der Fettkörper, ein sehr wichtiges Organ bei Insekten. Für die Honigbiene ist der Fettkörper absolut überlebenswichtig. Das Organ aus Fett stärkt das Immunsystem, speichert Nahrung und übernimmt bei den Bienen ähnliche Funktionen wie beim Menschen die Leber. Für die Bienen ist die Beschädigung der Fettkörper verheerend, denn zehrt der Parasit daran, ist für die Bienen ein geringeres Nahrungsangebot gegeben. Zudem sind die Honigbienen viel angreifbarer in Bezug auf viele andere Gefahren.

Die Milbe tastet sich blind und taub durch den Honigbienenstock. Die Brutzelle der Bienen ist ihr Ziel. Die gefährliche Milbe vermehrt sich dort und infiziert dabei den gesamten Nachwuchs mit Krankheiten. Auf diese Weise wird das Bienenvolk arg geschwächt. Im Bienenstock einmal angelangt, nisten sich die Milben in noch nicht verpuppte Zellen ein. Die Bienenbrut wird durch das Legen eines Eies, aus der eine männliche Milbe schlüpft, langsam aber sicher zerstört. Die einzige Aufgabe dieser männlichen Milbe besteht darin, alle folgenden Eier zu befruchten. Aus den befruchteten Eiern entstehen Milben, die noch in der Brutzelle der Honigbienen ihre Geschlechtsreife erlangen.

Die neu geschlüpften Milben greifen neue Brutzellen an, vermehren sich und entziehen den kleinen Bienen die lebenswichtigen nährstoffhaltigen Körperflüssigkeiten (Hämolymphe). Die Milbe kann sich problemlos an erwachsenen Arbeiterbienen festsaugen und sich vom Blut der Biene ernähren. So genügt eine einzige Milbe, die bei der Nektar- oder Pollensammlung übertragen wurde, um innerhalb von wenigen Monaten mehr als 700 Neuparasiten produzieren zu können. Dazu braucht es neun Vermehrungszyklen und jede Menge Nahrung.

Gelingt es den Parasiten, in einem äußerst milden Winter zu überleben, dann kann sich die Vermehrung zu einem zerstörerischen Zyklus entwickeln, wobei ganze Bienenvölker zusammenbrechen können.

Wie kann man die Varroamilbe erfolgreich bekämpfen?

Nach einem Varroamilben-Befall leiden die erwachsenen Bienen unter einem geschwächten Immunsystem. Bei der Bienenbrutentwicklung kommt es zu Störungen und die Brut stirbt oft sehr schnell nach dem Schlüpfen. Die Bienen im Stock sind durch den Befall der Parasiten anfälliger gegen körperfremde Stoffe und gegen Pestizide. Grund dafür ist die mangelnde Funktionsfähigkeit der Entgiftung. Zudem schleppen die Milben auch Bakterien und Viren in den Stock der Bienen.

Bei der Varroamilben Bekämpfung gibt es diverse Behandlungsmethoden. Grob unterschieden werden die Therapien in: Sommerbehandlung, Winterbehandlung, Notbehandlung und im Bremsen der Varroa-Entwicklung. Die Imker müssen rasch handeln, denn ohne Hilfe des Imkers stirbt ein befallenes Bienenvolk meist innerhalb von wenigen Jahren.

Doch der Einsatz von Mitteln, die wirksam sind, ist nicht ungefährlich. Es besteht das Risiko, dass sich bei einer langatmigen Behandlung im Wachs und anschließend im Honig toxische Rückstände ablagern. Des Weiteren entwickeln sich nicht selten, bedingt durch die Verwendung von Giften, auch Resistenzen. Neben der Hyperthermie (Wärme/Sauna) stehen dem Imker diverse Optionen offen, den Kampf gegen den Parasiten Varroa destructor aufzunehmen.

Oxalsäure

Zwischen der 50. Kalenderwoche und Weihnachten sind die meisten westlichen Bienenvölker mit Oxalsäure behandelbar. In dieser Zeit begünstigen die Nachtfröste und die kalte Witterung den Einsatz von Oxalsäure. Die meisten Völker sind in diesem Zeitraum brutfrei. Die Kontrolle des Imkers ist angesagt. Der Behandlungstag sollte möglichst sehr kalt sein, dann ist der Erfolg, die Varroamilbe bekämpfen zu können, gegeben. Viele Experten gehen davon aus, dass die Oxalsäure jene Substanz ist, mit welcher die Bienenvölker in Zukunft erhalten werden können, samt ihrem Nutzen für die Menschheit.

Wichtige Information

Der Umgang mit Oxalsäure erfordert grosse Vorsicht. In jedem Fall Schutzbrille, säurefeste Handschuhe und langärmlige Bekleidung tragen. Die Reste von OXUVAR 5,7% können mit viel Wasser verdünnt dem öffentlichen Abwassersystem zugeführt werden.

Essigsäure

Ein weiteres Mittel gegen Varroamilbe ist die Essigsäure. Durch die Behandlung mit Essigsäure kann die Milbenplage eliminiert werden. Die Anwendung von Acetaten gilt als Alternative zu den Ameisensäurepräparaten, welche von vielen Imkern eher als ätzend und somit als insektenfeindlich eingestuft werden. Das Mittel wird von oben gereicht und es ist schwerer als die Luft. Die Trägerstoffe der Essigsäure gewährleisten eine dosierte Verdunstung. Die Essigsäure wird auf eine saugfähige Unterlage (Wettex) gegeben. Das Resultat ist, dass die Milben bereits nach kurzer Zeit das Weite suchen. Wichtig hierbei ist: Es muss den Milben eine Fläche angeboten werden, worauf sie Platz finden können. Anschließend können die Milben vom Imker entfernt werden. Mittel wie TO BEE sind preisgünstig und leicht anzuwenden.

Wichtige Informationen

Gefahrenhinweise: H290 Kann gegenüber Metallen korrosiv sein H314 Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden. Sicherheitshinweise: P101 Ist ärztlicher Rat erforderlich, Verpackung oder Etikett bereit halten. P102 Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen. P264 Nach Gebrauch Hände gründlich waschen. P280 Schutzhandschuhe/Schutzkleidung/Augenschutz/Gesichtsschutz tragen. P305+P351+P338 BEI

KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. P311 GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen

Milchsäure

Bei der richtigen Anwendung hat auch die Milchsäure eine gute Wirksamkeit. Als Varroa-Bekämpfungsmittel kann sie aber nur in brutlosen Völkern bedenkenlos eingesetzt werden. Mit zwei Behandlungen gelingt es dem Imker, den Varroa-Befall bis zu 90 Prozent auszulöschen. Die Milchsäure wirkt in der verdeckelten Brut nicht. Da sich während der Brutzeit rund 75 Prozent der Milben in der verdeckelten Brut befinden, ist der Behandlungserfolg in dieser Periode wesentlich geringer.

Gesprüht wird die Milchsäure mit einem Druckpumpenzerstäuber oder mit einem Handsprayer. Die Bekämpfung der Milben mit Milchsäurepräparaten ist arbeitsintensiv und je nach dem Grad des Varroa-Befalls sind drei bis fünf Behandlungen im Jahr vonnöten. Der Milchsäuregehalt steigt im Bienenfutter bereits nach einer mehrmaligen Anwendung. Während der Trachtperiode wird keine Behandlung durchgeführt, damit der Honig nicht zusätzlich angesäuert wird.