Biene sticht in den Finger und verteilt Bienengift

Bienengift (Apitoxin): Bestandteile, Wirkung und Verwendung

Der Stich einer Biene ist schmerzhaft und unangenehm, doch Bienengift ist nützlich. Zuallererst nutzen Honigbienen das Gift, um Angreifer und Honigdiebe abzuwehren. Die medizinische Bezeichnung lautet Apitoxin und die Biene verteilt es über ihren Stachel. Sticht sie andere Tiere oder Menschen, reißt bei dieser Abwehrreaktion der Stachel ab und die Biene stirbt nach wenigen Tagen.

Lernen Sie in diesem Artikel mehr über das Bienengift und seine Bestandteile. Außerdem erfahren Sie, welche heilende Wirkung das Gift in der medizinischen Anwendung hat und in welchen Bereichen es zum Einsatz kommt.

Was ist Bienengift?

Weibliche Bienen sind in der Lage, nach den ersten 2 – 3 Lebenstagen Gift zu produzieren. Sofern sie bei einem Stich nicht sterben, füllt sich die Giftblase nach. Die Giftblase ist der Teil, in dem sich das Gift sammelt. Die männlichen Drohnen haben keinen Stachel und produzieren auch kein Bienengift.

Biene sticht und verliert den Stechapparat
Bei einem Bienenstich wird der ganze Stechapparat mit Giftblase aus dem Hinterleib der Biene gerissen und verbleibt an der Stichstelle.
Waugsberg / CC BY-SA

Das Gift erzeugt die Honigbiene in zwei Drüsen, die sich in ihrem Hinterleib befinden. Die Sekrete dieser Drüsen sammeln sich in der Giftblase und der Inhalt stellt das Bienengift dar. In der Giftblase ist es flüssig, leicht trüb und gelblich. Getrocknet ist es ein gelbliches Pulver. Sticht eine Biene zu, entleert sich die Giftblase im Gewebe des Gegners.

Da der Stachel Widerhaken hat, wird beim Zustechen meist der gesamte Stachelapparat abgetrennt. Für die Biene bedeutet das den Tod. Für ihr Opfer verlängert sich der Angriff dadurch, da das Gift solange aus der Giftblase gepumpt wird, bis diese komplett entleert ist. Dies können bis zu 0,1 Milligramm Apitoxin sein.

Für den Menschen und Säugetiere ist das Bienengift nur in sehr hohen Mengen tödlich. Eine Ausnahme sind Allergiker, für die schon ein Stich lebensgefährlich sein kann. Für andere Bienen ist es in jedem Fall tödlich. Auf andere Insekten wirken die Stiche zumindest lähmend.

Aus welchen Bestandteilen besteht das Bienengift?

Bienengift besteht aus verschiedenen Stoffen. Hauptbestandteil ist Melittin. Melittin ist die Hauptursache für allergische Reaktionen nach einem Bienenstich. Weitere Inhaltsstoffe sind:

  • Phospholipase
  • Hyaluronidase
  • Adolapin
  • Apamin
  • Histamin
  • Dopamin
  • Noradrenalin
  • Pheromone

Apamin ist ein Nervengift. Hyaluronidase wirkt auf Blutgefäße erweiternd und macht sie durchlässig. Phospholipase ist schmerzerzeugend. Histamin, Dopamin und Noradrenalin sorgen dafür, dass sich die Entzündung und der Schmerz durch den Stich ausbreiten. Die Alarmpheromone haben einen indirekten Effekt auf das Opfer. Sie alarmieren andere Bienen des Stocks. Die Kombination aller Inhaltsstoffe bewirkt, dass das Gift Schmerzen auslöst und die vom Stich betroffene Stelle anschwillt.

Die einzelnen Stoffe wirken auch heilend und positiv auf den menschlichen Körper. Melittin und Apamin sind entzündungshemmend und schützen die Zellen. Adolapin ist entzündungshemmend und schmerzstillend. Teilweise sind die Bestandteile in anderen Giften zu finden, beispielsweise in Wespengift. Dennoch ist die Zusammensetzung des Bienengifts einmalig.

Welche Wirkung hat Bienengift auf den Menschen?

Bei einem Menschen führt ein Bienenstich zu Schmerzen und die betroffene Stelle schwillt an. Lebensgefährlich ist Bienengift erst bei einer zu hohen Menge oder wenn die gestochene Person allergisch ist. Allergiker reagieren auf Bienenstiche abgesehen von der Schwellung mit Atemnot, Übelkeit oder Problemen mit dem Kreislauf. Bei solchen Symptomen ist sofort ein Arzt aufzusuchen.

Bei den meisten Menschen sind erst mehrere Hundert Stiche tödlich. Vorsicht ist aber bei bestimmten Körperstellen geboten: Stiche im Hals- oder Rachenraum sind gefährlich, da die Atemwege zuschwellen. In solchen Fällen ist ebenfalls ein Arzt aufzusuchen. Zur Sofortbehandlung im Mund- und Halsbereich eignen sich Eiswürfel oder kalte Getränke, um das Anschwellen zu verlangsamen. Stiche in der Nähe des Auges, die zu stark aufschwellen oder ins Auge, bedürfen einer ärztlichen Untersuchung. Um die Schwellung und die Schmerzen zu lindern, ist es ratsam, mit kaltem Wasser zu spülen.

Bei einem Stich an anderen Körperstellen lassen sich die Auswirkungen des Giftes mit Kühlen abmildern. Der erste Schritt ist den Stachel vorsichtig zu entfernen. Da die Giftblase sich nach dem Stechen weiter entleert, ist es besser, den Stachel rauszuwischen anstatt zu ziehen. So lässt sich verhindern, dass auf den Stachelapparat mehr Druck ausgeübt wird. Davon abgesehen, sind im Gift Pheromone enthalten, die weitere Bienen alarmieren könnten. Der normale Heilungsprozess eines Stiches mit Juckreiz und einer geschwollenen oder roten Hautstelle dauert bis zu drei Tage.

Wie wird das Gift der Honigbienen gewonnen?

Bienengift lässt sich in der Medizin und in der Kosmetik verwenden. Da es in seiner spezifischen Mischung nicht komplett synthetisch hergestellt werden kann, sind Honigbienen die erste Quelle. Bienenhalter gewinnen das Gift durch Stromreize. Das geschieht durch Drahtstromfallen oder Platten, die einen elektrischen Reiz abgeben. Sie sind für Bienen nicht tödlich, animieren sie aber auf die dazugehörige Membran einzustechen.

Das Gift lässt sich auffangen und weiterverarbeiten. Es gibt verschiedene Varianten zum Auffangen:

  1. Eine unter der Membran liegende Platte fängt das Gift auf. Dort trocknet es und es lässt sich anschließend abkratzen.
  2. Es werden Folien zum Auffangen des Bienengifts verwenden, bei denen es flüssig bleibt.

Diese Methoden schaden den Bienen nicht körperlich, da sie in der Lage sind, das Gift nach zu produzieren. Allerdings berichten Imker davon, dass bei Bienenvölkern, die regelmäßig ihr Gift abgeben, die Bruttätigkeit und der Honigertrag zurückgehen. Unter Imkern und Bienenhaltern ist es eine Empfehlung, das Gift nur in menschenleeren Arealen zu ernten. Denn die so behandelten Bienen sind abwehrbereiter und aggressiver, da sie auf der Suche nach dem vermeintlichen Angreifer sind.

In welchen Bereichen findet das Apitoxin Verwendung?

Das gewonnene Bienengift findet Anwendung in der Medizin und der Kosmetik. Hauptsächlich wird es in diesen Bereichen zur Behandlung von Allergien und Rheuma eingesetzt und ist Bestandteil einiger Hautpflegeprodukte.

Verwendung in der Medizin

Apitoxin kommt in der Medizin u.a. bei Allergien zum Einsatz. Bei allergischen Reaktionen nach einem Bienenstich, trägt die Behandlung mit Bienengift zur Hyposensibilisierung bei. Bei der Hyposensibilisierung bekommen Patienten geringe Dosen des Insektengifts gespritzt, um das Immunsystem daran zu gewöhnen. Das Bienengift regt das Immunsystem an und schwächt gleichermaßen zu ausgeprägte Immunreaktionen, wie sie bei einer Allergie auftreten, ab.

Bienengift ist ebenfalls Bestandteil von Präparaten, die bei der Apitherapie zum Einsatz kommen. In diesem Rahmen unterstützt es die Linderung der Symptome von Rheuma oder dem Ischiasleiden. Mediziner setzen es außerdem bei Sportverletzungen oder Kälteschäden ein, da es die Durchblutung fördert und die Muskeln stimuliert. Vor allem Melittin wirkt bei entzündetem Gewebe und fördert die Ausschüttung von Cortisol.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt es sogar Akupunktur mit Bienen. Homöopathen versprechen sich von Bienengift eine mildernde Wirkung bei Schwellungen und Hautausschlägen. Die unter dem Namen „Apis mellifica“ verwendeten, homöopathischen Produkte kommen z.B. bei Krankheiten, die mit Entzündungen einhergehen zum Einsatz.

Medizinische Produkte mit Apitoxin gibt es in Form von Tabletten, Salben, Tropfen, Pulver oder Injektionen. Andererseits gibt es auch heutzutage noch die Methode, die Bienen direkt dem Patienten aufzusetzen und ihn stechen zu lassen.

Verwendung in der Kosmetik

In der Kosmetik finden sich schon lange Bienenprodukte mit Honig und Bienenwachs. Bienengift hingegen wird in kleinsten Dosen in Hautpflegeprodukten verwendet. In den neuesten Entwicklungen gilt Apitoxin als Alternative zu Botox, da es die Produktion von Kollagen unterstützt. Vor allem der Bestandteil Melittin sorgt dafür, dass die Haut als Abwehrmechanismus die körpereigene Produktion von Elastin und Kollagen erhöht. Kollagen und Elastin sind essenziell, um die Haut straff und elastisch zu halten. Dementsprechend kommt Apitoxin zum Einsatz, um Falten zu bekämpfen und die Durchblutung der Haut anzuregen.

Kosmetische Produkte mit Apitoxin gibt es in Form von Seren, Masken und Cremes. Der Einsatz ist für Allergiker nicht geeignet. Teilweise gibt es kosmetische Produkte mit Bienengift als Bestandteil, die angeblich gegen Akne helfen. Hier ist die Wirksamkeit nicht umfangreich bewiesen.